Ein Kugelschreiber reicht – Sketchnotematerial

Sketchnotematerial? Nimm was du hast!

Ja, das meine ich wirklich ernst: ein Kugelschreiber reicht! Bei fast allen Dingen, die neu für dich sind, bist du vielleicht gewohnt, dass du erst einmal in Ausstattung investieren musst, um anfangen zu können. Sketchnoten ist da anders: Du brauchst lediglich einen Stift und ein Stück Papier um sofort zu starten. Wenn du feststellst, dass du gern mehr und öfter sketchnoten möchtest, habe ich am Ende des Artikels auch noch ein paar Empfehlungen. Viel wichtiger aber ist, dass du anfängst!

Dein Lieblingsstift als Sketchnotematerial?

Das Einfachste ist, wenn du dich auf deinem Schreibtisch umschaust und überlegst, womit du am Liebsten die (vielleicht wenigen) handschriftlichen Dinge erledigst. Für mich ist das ein Tintenroller oder mein Harley Davidson Füller. Dieser Füller begleitet mich schon sehr lange. Als Teenager war das ein großer Traum von mir, eines Tages eine Harley zu haben in Blutrot. Zu der Zeit lief mir dieser Füller über den Weg. Lackiert in original Harley Lack im richtigen Rot liegt er gut in der Hand und gleitet schön übers Papier. Tinte hat einfach etwas Magisches und erinnert mich schnell an die Zeiten, in der ich als Fünftklässlerin mit den anderen im Wettstreit war, wer die schönere Schrift hat. Zu Schulzeiten habe ich natürlich deutlich mehr mit der Hand geschrieben, als heute.

Als Erwachsene sind wir meist mit der Tastatur bewaffnet und kommen kaum dazu unsere Handschrift einzusetzen. Da Schreibroutine, also ein lockerer, gelenkiger Umgang mit dem Stift sehr hilfreich ist fürs Sketchnoten, überlege dir, was dein Lieblingstift ist. Ein Tintenroller, ein Kugelschreiber oder ein Füller?

Wenn du dich fragst, warum hier nichts von Bleistift steht: Ganz einfach, ein Bleistift ist ein Zeichengerät, das dich dazu verleitet, zu radieren und diese Möglichkeit fördert nur den Perfektionisten in dir, der dann 20 Mal den ersten Strich radiert und nicht darüber hinaus kommt. Gesucht ist ein schwarzer oder blauer Stift, der möglichst kontrastreich ist. Worauf es jetzt ankommt, ist dass der Stift dir gefällt und du gern mit ihm schreibst.

Kleine Übung dazu:

Hol dir jetzt deinen Lieblingsstift und probiere auf einem Stück Papier, ob du mit ihm einen Kreis, ein Quadrat oder ein Dreieck leicht hinbekommst.
Frag dich,
Fühlt sich das Gewicht des Stiftes genau richtig an, ist er zu schwer oder zu leicht?
Liegt er gut in der Hand?
Wenn alles gut ist, füll dein Papier einfach weiter mit diesen einfachen Formen. Ist einer dieser drei Punkte nicht optimal für dich, probiere andere Stifte aus. Ich bin mir sicher, du wirst schnell ein Schreibgerät haben, dass gut funktioniert. Mit Stiften ist es ein wenig so wie mit Unterwäsche: was bequem ist, sieht nicht unbedingt gut aus

Schmierpapier und los geht’s

So, den Stift hätten wir schon mal. Jetzt ist das Papier dran. Klar, es gibt für jeden Zweck spezielles Papier. Für den Anfang reicht einfaches Druckerpapier,gebrauchte Briefumschläge oder ein einfaches kariertes Heft, das du zum Sketchnotematerial erklärst. Nimm einfach, das was du da hast, sonst fängst du nicht an.
Eine kleine Geschichte dazu.

Seit ich ungefähr 17 bin, liebe ich Aquarellmalerei, der ich immer mal wieder zur reinen Entspannung nachgehe. Kurz vor dem Abitur war ich auf Studienfahrt in Südfrankreich. Bei unseren französischen Nachbarn gibt es einige sehr traditionelle und feine Papierhersteller.

Damals gab es noch nicht die Möglichkeit, alle möglichen Materialien übers Internet zu bestellen. Also besuchte ich während dieser Studienfahrt einen kleinen, aber wundervoll sortierten Laden für Malbedarf in St. Rémy, einer kleinen Stadt,in der dir überall der Geist von Van Gogh in Form von Postkarten und Drucken entgegenspringt..So beflügelt habe ich mir mehrere Pochettes von Canson, also Mappen mit feinstem Zeichenpapier gekauft. Ich wusste, ich würde sie in Deutschland nicht bekommen und es fühlte sich wundervoll an. Das ist genau 25 Jahre her. Die Qualität dieser Papiere ist wirklich großartig, denn es sieht heute immer noch weiß aus. Ich habe es auch gut gelagert.

Du ahnst vielleicht, was ich dir sagen will…Ich habe es bis heute kaum benutzt – weil es sehr hochwertig ist, sehr teuer war und es auch mich einschüchtert, es vielleicht mit einer schlechten Zeichnung zu verschandeln. Gutes Papier landet also eher in der Schublade, als es bei dir zu einer deiner hoffentlich zahlreichen Sketchnoteversuchen führt. Sei schlau und nimm ein Stück Papier zur Hand, um das es dir nicht leid tut.

Sketchnoten und Material: ein paar Empfehlungen

So, falls du Blut geleckt haben solltest und das Bedürfnis hast, dir etwas zu gönnen, habe ich noch ein paar Empfehlungen. Ich gehe davon aus, dass du erst anfängst. Fortgeschrittene haben das, was ich dir hier beschreibe meist eh zu Hause…Mein Fokus ist also nicht auf den Spezialwerkzeugen, die vom Geschmack eines erfahrenen Sketchnoters abhängen. Ich stelle dir hier die Dinge vor, die hilfreich sind und auch einen anfänglich noch ungelenkeren Umgang gut aushalten. Das Schöne beim Sketchnoten ist, das selbst eine Grundausstattung beim Sketchnoten die 20 Euro Marke nicht überschreiten muss.

1. Das wichtigste Werkzeug: ein Fineliner

Fineliner, also dünne Stifte gibt es zuhauf und so kann dir die Auswahl sehr schwer fallen. Da Sketchnotes mit dünnen Linien und farblichen Akzenten arbeiten, ist das einzig wichtige für den Fineliner, dass er sich von den späteren Farbstrichen anlösen lässt und verschmiert. So kommen also nur Stifte in Frage, auf denen steht, dass sie “dokumentenecht”, Pigmenttusche enthalten oder permanent sind. Von allen großen Herstellern gibt es solche Fineliner:

  • Edding1800
  • Faber-Castell Finepen 1511
  • Copic Multi-Liner

Während ein einfacher Stabilofineliner immer 0,5 mm hat, gibt es von 0.05mm bis 0,7mm alle Strichstärken. In meinen Workshops arbeite ich meist mit 0,3mm. Etwas dünner als der Standard, aber nicht so empfindlich wie die ganz dünnen, bei denen dir schnell mal die Spitze abbricht.
Kosten: ca. 2 Euro

2. Brushmarker

Das sind eine Art Filzstifte auf Wasserbasis, die eine biegsame Pinselspitze haben und prima geeignet sind, nicht nur Schatten zu erzeugen, Flächen einzufärben, sondern auch Schriftzüge ein wenig eleganter zu gestalten. Hier fallen mir zwei günstige Varianten ein.
Edding 1304
Diese Pinselstifte hab ich auch für meine Tochter gekauft, damit sie ihre ersten Letteringversuche machen kann. Diese Stifte fransen nicht so schnell aus, haben schöne Farben und lassen sich für Sketchnotezwecke prima einsetzen. Es gibt sie im praktischen 10-Farbenset und sie kosten um die 13 Euro. In gut sortierten Läden gibt es auch Einzelfarben. Für den Start reicht eine Lieblingsfarbe, etwas gelb, blau,rot und grau für die Schatten.
Die Alternative sind die Fineone von Neuland. Auch die kannst du (allerdings nur direkt bei Neuland) einzeln bestellen oder ein Set kaufen – hier kosten 13 Stück 18 Euro.

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3. Papier

Da du mit Tusche arbeitest und Markern, brauchst du glattes Papier, durch das ein Fineliner nicht gleich durchschlägt. Das lässt sich aber auch mit einem Zwischenblatt wie früher ein Löschblatt im Schulheft lösen. Ich nutze gern Ringbücher, da du sie völlig flach aufschlagen kannst. Allerdings sind die meist blanko. Ein Heft mit Punktraster ist sehr hilfreich, damit du Orientierung hast aber nicht wie im Karomuster „eingezwängt“ bist. Hier gibt es Papier von Rhodia, dass auch die Fineliner nicht durchschlagen lässt, allerdings nicht im Querformat
Checkliste:

  • Glattes Papier
  • Mehr als 100g
  • Ringbindung

So etwas findest du zum Beispiel als “Skizzenbücher” bei Boesner, meinem Lieblingsfachhändler. Boesner versendet nicht nur,sondern hat auch bestimmt in deiner Nähe ein großes Ladengeschäft, in dem du all das was ich oben beschrieben habe findest und noch viel mehr. Dort findest du auch Verkäufer, die sich auskennen und dir gern helfen.
Spiralskizzenbuch kostet ab 6 Euro.

Lass mich doch wissen, wie dein Lieblingsstift aussieht. Ich freue mich wenn du mir einen Kommentar hinterlässt und mir erzählst, ob der Artikel für dich hilfreich war oder was du sonst gern noch wissen würdest.

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